Kategorie: Werkstatt-Geplauder

Wie im Flug, aber auf Rädern

Wush! Und schon ist er vorbei. Dieser Sommer. Jetzt wo die Wolken schon wieder gräulich am Himmel hängen, haben wir ein klein bisschen Zeit zu erzählen, was wir seit Juli so getrieben haben.
In etwa war es so: Tür auf, Räder rein, Platten, Lagerspiel, Bremse schleift? Äh, ja, aber das kann ich nicht allein reparieren… macht nichts, erklär ich dir! Ah, gut. Workshops. Viel gelehrt & gelernt, Eis gegessen. Sonne von früh bis spät. Barfuß in der Werkstatt. Schwitz!

Und dann noch: Ist das unordentlich hier! Aufräumtag! Fenster putzen – das erste Mal seit 2 Jahren. Plötzlich kommt noch mehr Sonne
rein. Geschafft, entsorgt, sortiert. Endlich ein funktionierendes Büro! Hat nur 2 Jahre gedauert. Danke an alle Helferleins!

Zu guter Letzt: Friedrichstadtfest. Regen. Mist, aber macht nichts. Viele Leute, trotzdem mit guter Laune. Quatschen, Osterhasen essen. Schrauben. Suppe essen. Klapprad verschenken. Jens zum Abschied winken. Der fährt jetzt zum Nordkap. Nordlichter gucken. Verrückt. Auf bald!

Und wie weiter? Unser gefördertes Projekt läuft Ende Oktober aus. Danach geht es erstmal zwei Monate nur ehrenamtlich weiter. Wir hoffen die Öffnungszeiten also auch im November & Dezember so beibehalten zu können. Wenn alles glatt läuft, gibt es ab Januar dann wieder zwei hauptamtlich angestellte Menschen und es geht weiter: Mit Workshops, Kneipenquiz, mobilen Werkstätten und allem, was euch noch so einfällt. Wir freuen uns.

Ross im Radio

Nichts ahnend kam ich zum Kuchenessen in die Studios des Coloradio im Zentralwerk und schwupp – stand ich im Roten Studio am Mikro und wurde zum Werden und Sein unserer Werkstatt befragt. Das Ergebnis wurde im Coloradio-Magazin am 7.11. gesendet und gibt’s hier zum Nachhören! 
Das Coloradio ist ein freies Radio in Dresden und bietet im  Projekt lokal.sozial.medial auch Workshops für radiointeressierte Menschen an.

Das Ross hat ’nen Vogel!

Lotti in der Legokiste

Vor einer Woche kam ein freundlicher Libanese in die Werkstatt und wollte gern ein Kinderrad – wir hatten zufälligerweise noch eins da und er verließ unter vielen Dankesworten die Werkstatt.
Tags drauf kam er wieder, mit einem Vögelchen in der Hand und meinte „Geschenk! Essen!“. Aber da Rösser Vegetarierer sind, fiel diese Option aus.
Der Piepmatz zog dann erstmal in die Lego-Kiste meines Sohnes. Kurz drauf hatte die Biologin meiner WG auch rausgefunden, was er ist: Eine sie! Und zwar aus dem Stamm der Kanarienvögel.   
Da mir immer noch nicht klar war, warum ich dieses Tier essen sollte, frage ich zwei Syrerer, die zur Öffnungszeit da waren, ob im Libanon Kanarienvögel gegessen werden. Die beiden lachten mich aus, meinten, dass seien heilige Tiere und der Libanese hätte nur einen Witz gemacht. 

Dieser Vogel kommt aus Amerika – gut zu erkennen an der feschen Bürstenfrisur

Letzte Woche dann tauchte der Libanese, der eigentlich aus Libyen kommt (1. Missverständnis), wieder im »Ross« auf und ich fragte ihn mit Hilfe eines Übersetzers nach dem kulinarischen Zweck des Vogels. Er machte große Augen und meinte – „Nein, nicht essen! Singen! Der Vogel singt schön!“ (2. Missverständnis). Das tut sie tatsächlich – und ich weiß jetzt sicher, dass Kanarienvögel nicht zum Suppenhuhn taugen. 

 

Ausgrabungen in der »Zone«

Hui – wir standen die Tage soviel an der Werkbank und waren in der Weltgeschichte unterwegs – da blieb kaum Zeit für das überaus wichtige virtuelle Leben. Aber nun gibt’s einen kurzen Abklatsch der bewegenden letzten Wochen – in bester Reiseblogmanier. 😉

3m³ Fahrradteile
Vor einigen Wochen rief ein blond-gelockter Jüngling bei uns an (…) und meinte er hätte 3m³ Fahrradteile zusammen gesammelt, die er uns gern spenden würde, weil die aktuelle Wohnung (aka Garage) dieses »Schatzes« geräumt werden muss. Diesem Ruf folgend, machten wir uns an einem verregneten Montagmorgen auf nach Bautzen, zu unserer ersten Dienstreise, um die 3m³ zu besichtigen und zu bergen.
Gegen 10 Uhr standen wir vor den Garagentoren – mit dem Hinweis: »Den zweiten Türflügel könnt ihr erst aufmachen, wenn ihr den Kram, der dahinter klemmt, weggeräumt habt. (…).«

Archäologie für Fahrradfans

Vor uns standen also Kisten über Kisten mit allem, was der »Zonenrad«-Fan sich wünschen kann – ungefahrene Diamant-Gabeln mit Original-Preisschild (EVP: 15,65 Mark), Kisten auseinander gebauter Räder, sicher verpackt in alte Zeitungen usw. usf.

Fachsimpelei der Zonenrad-Fans

Originalverpackt, ungenutzt.

Es war ein bisschen wie Ostern. 
Wir räumten, kramten, sortierten aus – und nach ca. 3h konnte man die große Garage wieder zu 2/3 betreten, der T4-Bus war vollgeladen und waren wir soweit fertig. Leer war die Garage aber noch lange nicht.

Im »Ross« angekommen, wurde kurz drauf der erste »Pneumant Sprint«-Reifen an ein altes Kettler-Sportrad angebaut. Eine feine Form der Wiedervereinigung. Danke an Chefchen und Stefan für die grandiose Teile-Spende!

Henry & Hilde im Ross

Wir haben gerade zwei neue Mitbewohner! Sie heißen Henry und Hilde, sind Lastenräder, fahren bis zu 150 kg weg, unterstützen deine Beinchen mit einem Motor – und das Beste: Sie können bei uns ausgeliehen werden! 
Dazu geht auf die Seite von Frieda & Friedrich, bucht einen Termin und holt sie euch dann bei uns ab. Das Ganze ist kostenlos – aber der ADFC Dresden, Eigentümer der Räder, freut sich immer über eine Spende. 
Also falls ihr schon immer mal eine Waschmaschine durch die Gegend fahren wolltet – jetzt geht es! Auch ohne Auto!

Lichtblicke

Obwohl der Tag heut‘ bisweilen grau war, gab es drei Lichtblicke. Nr. 1 schon beim Aufschließen.
Eine ältere Dame fragt mich: Was ist denn jetzt hier drin?
Ich: Eine Fahrradselbsthilfewerkstatt, da können Sie kommen und wir erklären Ihnen, wie Sie ihr Rad reparieren können.
Sie: Da kann ich dann mit meinem Rad… also nicht ich, aber meine Enkel. Ja – das ist eine schöne Sache.
Sie berührt mich kurz freundlich am Arm und geht.

Nr. 2 kurz drauf, als eine Freundin durch die Tür schaut.
Sie: Hast du ein bisschen Öl für mich? Meine Kette  hat so gequietscht und da ist mir eingefallen, dass ihr ja jetzt hier seid – da dachte ich, komme ich doch vorbei.
Ich – beim Blick auf die rostige Kette: Ui, die braucht Pflege. Mit Rädern ist es wie mit Männern und Kindern. Wenn man die nicht pflegt. gehen die kaputt.
Sie (schuldbewusst): Ja, ich weiß… ich fahr’s immer nur, bis es auseinander fällt.
– Kette wird geputzt & geölt, das Quietschen verschwindet – 
Sie: Vielen Dank. Bis Bald.

Und Nr. 3. Ein junge Mann aus dem Viertel: Es ist ein Geschenk, dass ihr jetzt hier seid!

Dafür machen wir das! Danke. 

Frühlingserwachen

Der Winter in Dresden war ja kaum der Rede wert – und dennoch sind die ersten zarten Triebe der Natur immer ein kleines Wunder. So beobachteten wir neulich staunend wie die äußerst seltene Ölraupe – sie findet sich fast nur in Selbsthilfewerkstätten – ihre Fühler in der noch kühlen Frühlingssonne nach dem süßen Nektar Walzfett-Lilie ausstreckte. 

Raupus lipidius an Lilia Olea