Kategorie: Werkstatt-Geplauder

Ross im Radio

Nichts ahnend kam ich zum Kuchenessen in die Studios des Coloradio im Zentralwerk und schwupp – stand ich im Roten Studio am Mikro und wurde zum Werden und Sein unserer Werkstatt befragt. Das Ergebnis wurde im Coloradio-Magazin am 7.11. gesendet und gibt’s hier zum Nachhören! 
Das Coloradio ist ein freies Radio in Dresden und bietet im  Projekt lokal.sozial.medial auch Workshops für radiointeressierte Menschen an.

Das Ross hat ’nen Vogel!

Lotti in der Legokiste

Vor einer Woche kam ein freundlicher Libanese in die Werkstatt und wollte gern ein Kinderrad – wir hatten zufälligerweise noch eins da und er verließ unter vielen Dankesworten die Werkstatt.
Tags drauf kam er wieder, mit einem Vögelchen in der Hand und meinte „Geschenk! Essen!“. Aber da Rösser Vegetarierer sind, fiel diese Option aus.
Der Piepmatz zog dann erstmal in die Lego-Kiste meines Sohnes. Kurz drauf hatte die Biologin meiner WG auch rausgefunden, was er ist: Eine sie! Und zwar aus dem Stamm der Kanarienvögel.   
Da mir immer noch nicht klar war, warum ich dieses Tier essen sollte, frage ich zwei Syrerer, die zur Öffnungszeit da waren, ob im Libanon Kanarienvögel gegessen werden. Die beiden lachten mich aus, meinten, dass seien heilige Tiere und der Libanese hätte nur einen Witz gemacht. 

Dieser Vogel kommt aus Amerika – gut zu erkennen an der feschen Bürstenfrisur

Letzte Woche dann tauchte der Libanese, der eigentlich aus Libyen kommt (1. Missverständnis), wieder im »Ross« auf und ich fragte ihn mit Hilfe eines Übersetzers nach dem kulinarischen Zweck des Vogels. Er machte große Augen und meinte – „Nein, nicht essen! Singen! Der Vogel singt schön!“ (2. Missverständnis). Das tut sie tatsächlich – und ich weiß jetzt sicher, dass Kanarienvögel nicht zum Suppenhuhn taugen. 

 

Ausgrabungen in der »Zone«

Hui – wir standen die Tage soviel an der Werkbank und waren in der Weltgeschichte unterwegs – da blieb kaum Zeit für das überaus wichtige virtuelle Leben. Aber nun gibt’s einen kurzen Abklatsch der bewegenden letzten Wochen – in bester Reiseblogmanier. 😉

3m³ Fahrradteile
Vor einigen Wochen rief ein blond-gelockter Jüngling bei uns an (…) und meinte er hätte 3m³ Fahrradteile zusammen gesammelt, die er uns gern spenden würde, weil die aktuelle Wohnung (aka Garage) dieses »Schatzes« geräumt werden muss. Diesem Ruf folgend, machten wir uns an einem verregneten Montagmorgen auf nach Bautzen, zu unserer ersten Dienstreise, um die 3m³ zu besichtigen und zu bergen.
Gegen 10 Uhr standen wir vor den Garagentoren – mit dem Hinweis: »Den zweiten Türflügel könnt ihr erst aufmachen, wenn ihr den Kram, der dahinter klemmt, weggeräumt habt. (…).«

Archäologie für Fahrradfans

Vor uns standen also Kisten über Kisten mit allem, was der »Zonenrad«-Fan sich wünschen kann – ungefahrene Diamant-Gabeln mit Original-Preisschild (EVP: 15,65 Mark), Kisten auseinander gebauter Räder, sicher verpackt in alte Zeitungen usw. usf.

Fachsimpelei der Zonenrad-Fans
Originalverpackt, ungenutzt.

Es war ein bisschen wie Ostern. 
Wir räumten, kramten, sortierten aus – und nach ca. 3h konnte man die große Garage wieder zu 2/3 betreten, der T4-Bus war vollgeladen und waren wir soweit fertig. Leer war die Garage aber noch lange nicht.

Im »Ross« angekommen, wurde kurz drauf der erste »Pneumant Sprint«-Reifen an ein altes Kettler-Sportrad angebaut. Eine feine Form der Wiedervereinigung. Danke an Chefchen und Stefan für die grandiose Teile-Spende!

Henry & Hilde im Ross

Wir haben gerade zwei neue Mitbewohner! Sie heißen Henry und Hilde, sind Lastenräder, fahren bis zu 150 kg weg, unterstützen deine Beinchen mit einem Motor – und das Beste: Sie können bei uns ausgeliehen werden! 
Dazu geht auf die Seite von Frieda & Friedrich, bucht einen Termin und holt sie euch dann bei uns ab. Das Ganze ist kostenlos – aber der ADFC Dresden, Eigentümer der Räder, freut sich immer über eine Spende. 
Also falls ihr schon immer mal eine Waschmaschine durch die Gegend fahren wolltet – jetzt geht es! Auch ohne Auto!

Lichtblicke

Obwohl der Tag heut‘ bisweilen grau war, gab es drei Lichtblicke. Nr. 1 schon beim Aufschließen.
Eine ältere Dame fragt mich: Was ist denn jetzt hier drin?
Ich: Eine Fahrradselbsthilfewerkstatt, da können Sie kommen und wir erklären Ihnen, wie Sie ihr Rad reparieren können.
Sie: Da kann ich dann mit meinem Rad… also nicht ich, aber meine Enkel. Ja – das ist eine schöne Sache.
Sie berührt mich kurz freundlich am Arm und geht.

Nr. 2 kurz drauf, als eine Freundin durch die Tür schaut.
Sie: Hast du ein bisschen Öl für mich? Meine Kette  hat so gequietscht und da ist mir eingefallen, dass ihr ja jetzt hier seid – da dachte ich, komme ich doch vorbei.
Ich – beim Blick auf die rostige Kette: Ui, die braucht Pflege. Mit Rädern ist es wie mit Männern und Kindern. Wenn man die nicht pflegt. gehen die kaputt.
Sie (schuldbewusst): Ja, ich weiß… ich fahr’s immer nur, bis es auseinander fällt.
– Kette wird geputzt & geölt, das Quietschen verschwindet – 
Sie: Vielen Dank. Bis Bald.

Und Nr. 3. Ein junge Mann aus dem Viertel: Es ist ein Geschenk, dass ihr jetzt hier seid!

Dafür machen wir das! Danke. 

Frühlingserwachen

Der Winter in Dresden war ja kaum der Rede wert – und dennoch sind die ersten zarten Triebe der Natur immer ein kleines Wunder. So beobachteten wir neulich staunend wie die äußerst seltene Ölraupe – sie findet sich fast nur in Selbsthilfewerkstätten – ihre Fühler in der noch kühlen Frühlingssonne nach dem süßen Nektar Walzfett-Lilie ausstreckte. 

Raupus lipidius an Lilia Olea

Unter dem Pflaster da liegt der Strand

… und unter dem PVC liegt das Parkett. Das stellten wir fest, als die Handwerker unserem wölbungsreichen Fußboden auf den Grund gingen. Hach ja – Buchenparkett in bester Lage – leider mit arger Cellulite. Daher muss es raus.

Unter dem PVC liegt das Parkett.

Als kleines Trostpflaster malte uns der Malermeister, der unsere Küche gerade von den Verwandten unseren Badflecks Helmut (heißt er nun wirklich so) befreite, einen freundlichen Herrn auf den Gipskarton.

Wer kennt diesen Mann?

Die Geschichte des Flecks

Während die Handwerker in unseren Räumen räumen, möchte ich euch die Geschichte eines „Altmieters“ hier erzählen.
Er war da, vermutlich lange bevor wir das erste Mal einen Fuß in unsere jetzigen Werkeräume setzten. Zur Wohnungsbesichtung leuchtete er uns schon an – gelb, groß, auf den Badfliesen – und wir dachten: Igitt – hat da vor zwei Jahren ein letzter Nutzer der Dresdner Tafel (unser Vormieter) das Klosett nicht getroffen und ganz nonchalant auf den Boden uriniert. Immerhin roch er nicht schlecht – dieser Fleck und war auch sonst eher ruhig. Bei unserer ersten Putzaktion ließ er sich auch ohne große Gegenwehr des Bades verweisen. Fleck weg – dachten wir – doch weit gefehlt. Kurz darauf war er wieder eingezogen, in all seiner Schönheit. Der ersten Ratlosigkeit folgte ein Blick zur Decke und dem Herkunftsland unseres Fleckes: Ein dicker Wasserschaden aus der Wohnung über uns.
Der Klempner hatte seine liebe Mühe die Bewohnerin der betroffenen Wohnung zu erreichen – vier Wochen saß er erfolglos vor ihrer Tür und bat um Einlass. Weil alles bitten nichts nützte, musste die Polizei die Wohnung aufbrechen, damit der Klempner das Wasserloch stopfen konnte.
Und unser Fleck – der zeigte sich bei der zweiten Putzaktion hartnäckiger und beharrte auf seinem Fliesenplatz. Dieser Altmieter bleibt also – wir sollten uns mit ihm anfreunden und vielleicht geben wir ihm auch bald einen Namen.

Und wie heißt dieser Fleck? Vielleicht Helmut?