Henry & Hilde im Ross

Wir haben gerade zwei neue Mitbewohner! Sie heißen Henry und Hilde, sind Lastenräder, fahren bis zu 150 kg weg, unterstützen deine Beinchen mit einem Motor – und das Beste: Sie können bei uns ausgeliehen werden! 
Dazu geht auf die Seite von Frieda & Friedrich, bucht einen Termin und holt sie euch dann bei uns ab. Das Ganze ist kostenlos – aber der ADFC Dresden, Eigentümer der Räder, freut sich immer über eine Spende. 
Also falls ihr schon immer mal eine Waschmaschine durch die Gegend fahren wolltet – jetzt geht es! Auch ohne Auto!

Bastelstunde #1 – Office Organizer

Inspiriert von der Idee einer Freundin stand ich neulich an der Werkbank und bastelte ausnahmsweise mal nicht an einem Radl rum. Das  Ergebnis könnt ihr hier und auch in der realen Welt bei uns in der Werke bewundern.
Ich hoffe auf schöne Nachbauten von euch – schickt uns gern ein Bild.

Die Bohrungen für die Füße sind zu nah beieinander . Daher hat mein Minion x-Beine…

Ihr braucht: 
– eine Idee für euren Konservenstift-Halter (Einhorn, Minion, Drache, …)
– eine leere Konservendose, möglichst groß (Ananas sind lecker…)
– abgefahrene V-Brake-Bremsklötze (gibt’s bei uns im Mülleimer) + passende Schrauben & Unterlegscheiben
– Kleinkram, um eure Dose „anzuziehen“
– (Acryl-)Farbe zum Bemalen 
– einen 6er-Metallbohrer + Bohrmaschine (mit der Hand wird schwierig)
– Heißkleber oder Sekundenkleber

Ich habe die Dose erst bemalt und dann den Rest gemacht. War doof! Daher begeht nicht den selben Fehler und bohrt erst die Löcher für die Füßchen. Achtet darauf, dass zwischen den Löchern genügend Platz ist, um die Klötze anzubringen.
Wenn die Bremsklötze ungleich abgefahren sind, begradigt sie vorsichtig mit einem Cutter, dass diese Dose am Ende nicht kippelt. Ihr braucht zwei Muttern – eine außen, eine innerhalb der Dose, damit ihr sie gegeneinander kontern könnt und die Füßchen am Ende fest sind.
Wenn die Dose steht, bringt die anderen Utensilien an – so wie in meinem Bsp. die Arme (Loch einbohren, Schrauben einstecken, wieder mit zwei Muttern kontern) und das Auge (Heißkleber).
Danach bemalen! Die Farbe evtl. nochmal mit Sprühlack fixieren.

Damit die Bohrung nicht verrutscht mit einem Körner eine „Delle“ machen.
Beine und Arme aus dem Müll
Farbe zum Bemalen und Ananas zum Naschen

 

 

Umschulung für Schrauben

Bei diesem Schneewetter blieb mir nichts anderes übrig, als mich an der Heißklebe-Pistole zu wärmen. Herausgekommen sind Magneten für unser Projektmanagment-Whiteboard. Let’s get professionel… oder so.
Nachbauen unbedingt erlaubt. Ihr braucht Folgendes

– Magnete, Größe je nach Verwendungszweck
Ich habe welche mit 7mm Durchmesser genommen. Die Gizeh-Papers haben kleine Verschluss-Magnete, die sich ebenfalls gut eignen. Einfach mal ’nen Raucher deines Vertrauens oder die Straße fragen. Findet sich dort gratis. 
– Kleinkram, der als Griff dienen kann (z.B. Würfel, Schrauben, Perlen, leere Batterien, Münzen – siehe Mülleimer und Kramkisten)
– Kleber (Sekundenkleber oder Heißklebepistole)

Heißkleber, Magnete & zukünftige Griffe

Jo, wenn ihr das alles habt, dann legt los! Kleber drauf, Griff drauf, zusammendrücken. Meine Magnete waren so innig, dass ich sie im Klebeprozess immer wieder voneinander trennen musste. Ach, Herzschmerz. Und hier mein Ergebnis:

Der ESF soll den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt ermöglichen. Die war eine Umschulungsmaßnahme für alte Schrauben & Muttern.

 

Lichtblicke

Obwohl der Tag heut‘ bisweilen grau war, gab es drei Lichtblicke. Nr. 1 schon beim Aufschließen.
Eine ältere Dame fragt mich: Was ist denn jetzt hier drin?
Ich: Eine Fahrradselbsthilfewerkstatt, da können Sie kommen und wir erklären Ihnen, wie Sie ihr Rad reparieren können.
Sie: Da kann ich dann mit meinem Rad… also nicht ich, aber meine Enkel. Ja – das ist eine schöne Sache.
Sie berührt mich kurz freundlich am Arm und geht.

Nr. 2 kurz drauf, als eine Freundin durch die Tür schaut.
Sie: Hast du ein bisschen Öl für mich? Meine Kette  hat so gequietscht und da ist mir eingefallen, dass ihr ja jetzt hier seid – da dachte ich, komme ich doch vorbei.
Ich – beim Blick auf die rostige Kette: Ui, die braucht Pflege. Mit Rädern ist es wie mit Männern und Kindern. Wenn man die nicht pflegt. gehen die kaputt.
Sie (schuldbewusst): Ja, ich weiß… ich fahr’s immer nur, bis es auseinander fällt.
– Kette wird geputzt & geölt, das Quietschen verschwindet – 
Sie: Vielen Dank. Bis Bald.

Und Nr. 3. Ein junge Mann aus dem Viertel: Es ist ein Geschenk, dass ihr jetzt hier seid!

Dafür machen wir das! Danke. 

Radl-Runde & Eröffnung

Und da „galoppierten“ wir los – vergangenen Freitag, bei -6°C hatten sich reichlich ein Dutzend Mutige mit Rädern am Bahnhof Mitte eingefunden, um mit Musik der „Sommer-Playlist“ aus der mobilen Box eine Runde durch die Friedrichstadt zu drehen. Es ging vorbei an MAF, Riesa Efau, Lebenshilfe, Rosenwerk, Kraftwerk Mitte, ImNu-Fahrradkurier, dem mittlerweile umgezogenen Radladen Bike Hospital und dem Wohnprojekt Betriebsküche zum Rostigen Ross! 
In unserer Werkstatt erwarteten die kühlen Besucher:innen angenehm (?) warmes (?!) Bier, Früchte-Punsch und Tee, sowie ein Schrauberkino mit den schönsten Fahrradfilmen aus den Untiefen des Webs.
Es wurde über Werkzeuge gefachsimpelt, Detailwissen über Fahrradteile mit Hilfe der goldenen Fühlboxen zum Besten gegeben („Ich erfühle ein Rücklicht der Marke Ruhla, Herstellung in den 80ern“), Räder gemalt, diskutiert, ob die Friedrichstadt weniger Bäume braucht und Möhrchen geknabbert.
Schön war’s! Bis bald an der Werkbank.
PS: So eine Radl-Runde machen wir im Sommer nochmal… 

Frühlingserwachen

Der Winter in Dresden war ja kaum der Rede wert – und dennoch sind die ersten zarten Triebe der Natur immer ein kleines Wunder. So beobachteten wir neulich staunend wie die äußerst seltene Ölraupe – sie findet sich fast nur in Selbsthilfewerkstätten – ihre Fühler in der noch kühlen Frühlingssonne nach dem süßen Nektar Walzfett-Lilie ausstreckte. 

Raupus lipidius an Lilia Olea

Unter dem Pflaster da liegt der Strand

… und unter dem PVC liegt das Parkett. Das stellten wir fest, als die Handwerker unserem wölbungsreichen Fußboden auf den Grund gingen. Hach ja – Buchenparkett in bester Lage – leider mit arger Cellulite. Daher muss es raus.

Unter dem PVC liegt das Parkett.

Als kleines Trostpflaster malte uns der Malermeister, der unsere Küche gerade von den Verwandten unseren Badflecks Helmut (heißt er nun wirklich so) befreite, einen freundlichen Herrn auf den Gipskarton.

Wer kennt diesen Mann?

Die Geschichte des Flecks

Während die Handwerker in unseren Räumen räumen, möchte ich euch die Geschichte eines „Altmieters“ hier erzählen.
Er war da, vermutlich lange bevor wir das erste Mal einen Fuß in unsere jetzigen Werkeräume setzten. Zur Wohnungsbesichtung leuchtete er uns schon an – gelb, groß, auf den Badfliesen – und wir dachten: Igitt – hat da vor zwei Jahren ein letzter Nutzer der Dresdner Tafel (unser Vormieter) das Klosett nicht getroffen und ganz nonchalant auf den Boden uriniert. Immerhin roch er nicht schlecht – dieser Fleck und war auch sonst eher ruhig. Bei unserer ersten Putzaktion ließ er sich auch ohne große Gegenwehr des Bades verweisen. Fleck weg – dachten wir – doch weit gefehlt. Kurz darauf war er wieder eingezogen, in all seiner Schönheit. Der ersten Ratlosigkeit folgte ein Blick zur Decke und dem Herkunftsland unseres Fleckes: Ein dicker Wasserschaden aus der Wohnung über uns.
Der Klempner hatte seine liebe Mühe die Bewohnerin der betroffenen Wohnung zu erreichen – vier Wochen saß er erfolglos vor ihrer Tür und bat um Einlass. Weil alles bitten nichts nützte, musste die Polizei die Wohnung aufbrechen, damit der Klempner das Wasserloch stopfen konnte.
Und unser Fleck – der zeigte sich bei der zweiten Putzaktion hartnäckiger und beharrte auf seinem Fliesenplatz. Dieser Altmieter bleibt also – wir sollten uns mit ihm anfreunden und vielleicht geben wir ihm auch bald einen Namen.

Und wie heißt dieser Fleck? Vielleicht Helmut?