Belesenes Schrauben

Trotz permanent verschmierter Finger sind wir sind auch Schöngeister und lesen sogar Bücher (, die keine Bauanleitungen sind)! 
So heißt meine aktuelle Lektüre Das Fahrrad – Eine Kulturgeschichte von H.E. Lessing. Da ist ein ganz schönes Nerd-Buch, sowohl was technische Details als auch den Anekdotenreichtum angeht. Und es finden sich einige schöne Zitate, die zeitlos das Radl preisen und seine Entwicklung nachzeichnen. 
 
So schrieb der Italiener Paolo Mantegazzo schon 1893: 
Der Radfahrsport ist der Triumph des menschlichen Gedankens über die Trägheit der Materie: Zwei Räder, welche kaum den Boden berühren, die wie auf Flügeln dich weit forttragen mit einer schwindelerregenden, trunken machenden Geschwindigkeit, ohne den grausamen Schweiß der gepeitschter Zugtiere, ohne das verhaßte Geräusch rauchender Maschinen – ein Wunder von Leichtigkeit, von Einfachheit – ein Maximum von Kraft und ein Minimum von Reibung – der Mensch, der ein Engel werden will, der aus seinem alten hellenischen Grabe erstanden ist und lebendig vor uns steht – das ist der moderne Radler. (S.40)
 
Auch sehr interessant für Auto-Mobilisten, die gern auf Radler schimpfen – dabei sollten sie dankbar sein, denn… „keine frühe technische Innovation – nicht einmal der Verbrennungsmotor – war für die Entwicklung des Automobils so wichtig, wie das Fahrrad“ (James J. Flink, S. 124).
 
Und der viel beschworene „Krieg auf den Straßen“ ist keine neue Erscheinung , sondern schon so alt, wie der Konflikt um knappen Straßenraum. So beschreibt Lessing exemplarisch einen gewaltsamen Zusammenstoß zwischen einem Kutscher und Radlern auf Long Island: … „Ein Kutscher names Jacob Heitz, der sich weigerte, mit seinem Gespann nach rechts auszuweichen, um eine Gruppe von Hundert Radfahrern vorbeizulassen. Als sie weiter klingelten, stellte er sein Gespann quer zu Straße und schaute zu, wie Männer und Frauen abstiegen und ihre Räder durchs Feld um das Hindernis schoben. Das reichte ihm aber noch nicht: Er lenkte sein Fuhrwerk brutal in die Gruppe hinein, fünf Frauen konnten sich nur durch blitzschnelle Absteigen retten. Als ein Radfahrer die Zügel eines der Pferde ergriff, zog Heitz ihm die Peitsche über den Schädel“ (S. 148).
Der Kutscher von Damals ist der SUV-Fahrer von heute? Naja, nur ohne Peitsche. 😉
 

Das Buch ist eine erhellende Lektüre, um die Ahnen eures liebsten Rosses besser kennenzulernen. 

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